Von Claus Bach, 15. März 2017, 12:28 Uhr

Seit Montag, dem 13. März 2016 ist es amtlich. Nach langen Kontroversen hat der Stadtrat von Trier das Gastgeschenk der Volksrepublik China angenommen: Eine überlebensgroße Bronzeskulptur des weltberühmten Sohnes der Stadt, Karl Marx.
An prominenter Stelle soll er im Jahre 2018 als 6,30 Meter hohe Figur platziert werden. Unweit der ebenfalls berühmten Porta Nigra. Anlass ist sein 200. Geburtstag. Vermutlich wird die Riesenskulptur des chinesischen Künstlers Wu Weishan für die Trierer gewöhnungsbedürftig sein.
Denn ihre Größe erinnert freilich sofort an bronzenes Heldenpathos aus vergangenen DDR – Zeiten.
Im damaligen Karl – Marx Stadt, dem heutigen Chemnitz, wurde im Jahr 1970 ein riesiger bronzener Kopf des Philosophen platziert. Aus rein propagandistischen Gründen und ohne jedweden örtlichen Bezug.
Die Skuptur des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel bekam vom Volksmund rasch den Spitznamen „Nischel“. Eine sächsische Bezeichnung für Kopf.
Bis heute blickt er sehr markig drein und ist mittlerweile Kult geworden.

Die Trierer Skulptur hingegen soll nun eher lebensnah ausehen. Trotz ihrer Größe zeigt sie Karl Marx in alltäglicher Pose. Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet. Augenbrauen und Stirn sind gerunzelt und verleihen dem Gesicht einen nachdenklichen und eigensinnigen Ausdruck. Seine linke Hand hält passenderweise ein Buch. Seine rechte Hand greift zum Revers des Gehrocks, der von einer leichte Windbö gewölbt wird. Die Oberfläche der Statue ist eher zerschrunden denn glatt. Das soll eine Distanz zu den bekannten heroischen Darstellungen erzeugen.
Trotzdem bleibt dann noch die Größe. Das grenzt schon mutwillig ans Götzenhafte. Was wiederum mit China zu tun haben soll:
Denn dort wird der deutsche Philosoph wie kein anderer verehrt. Bisweilen soll er mehr Geltung haben als seine chinesischen Altvorderen – Kollegen.
Und wie sagte kürzlich der amtierende Bürgermeister der Stadt Trier:
„Vor dreißig Jahren wäre ein solches Karl Marx Denkmal in Trier selbstverständlich völlig undenkbar gewesen. Angesichts des kalten Kriegs und der Instrumentalisierung des Philosophen…“
Das ist wohl wahr. Nun denn, bleiben wir gespannt.
Und warten darauf, wie der Trierer Volksmund die Riesenfigur nächstes Jahr wohl nennen wird.

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