Von Claus Bach, 10. Mai 2017, 11:28 Uhr

Auch zur diesjährigen Ausstellung in Neuen Museum lud die Klassikstiftung Weimar wieder junge Künstler zur zeitgenössischen Reflexion ein.
Dieses Jahr wird der Begründer der modernen Archäologie vorgestellt:
Johann Joachim Winckelmann.
Den nunmehr vierten Beitrag hat die Künstlerin Anne Krausz geschaffen. Dabei hat sie Winckelmanns Frühschrift „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst“ als Reibungspunkt ausgewählt.
Und sich dabei auf seine Auffassung sogenannter „Idealistischer Schönheit“ konzentriert: Der Exzentrik und Verspieltheit stellt er seine Idee der „edlen Einfalt“ und „stillen Größe“ gegenüber.
Genau jene Formulierungen hat Krausz nun fotografisch wörtlich genommen. Indem sie einen männlichen nackten Körper „gleich dem Torso von Belvedere“ analog farbig fotografierte. Der galt für Winckelmann als eines der letzten vollkommenen Werke der griechischen Antike.
Anschließend wurde das fotografierte Aktbild digitalisiert und mittels Kaleidoskop – Filter derart verfremdet, dass ein rätselhafter Torso entstand:
Zu sehen ist eine Art fleischfarbenes Kissen mit rötlichen abgerundeten Ecken, an deren vier Enden jeweils grünlich – bläuliche Stachel auszumachen sind. Selbst die Körperbehaarung ist noch zu erkennen.
Vor schwarzem Hintergrund ist so ein irritierndes Gebilde entstanden, das nichts anderes als einen deformierten Körper zeigt. Doch der hat es in sich. Denn er sieht wie die Visualisierung eines Mikroorganismus aus. Oder eines fremdartigen einzelligen Lebewesens.
Man kriegt es nicht raus. Das Geheimnis bleibt und macht neugierig.
Die Künstlerin liefert dazu ihre ganz eigene Interpretation:
„Was blieb ist der deformierte Körper, der wiederum ein Verlangen nach Schönheit auslöste.“
Was dabei nicht zuletzt der Technink des Kaleidoskopes geschuldet ist. Denn die war bereits in der Antike bekannt und bedeutete nicht mehr als „schön sehen“.
Gemeint sind damit freilich jene symmetrischen bunten Mosaiken, die wir als Kinder so gerne durch eine kleine Pappröhre betrachtet heben. Schüttelte man sie, enstanden sofort neue Muster. Ihre Symmetrie ließ sie stets schön aussehen. Sie machte süchtig nach immer neuen bunten Splitterbildern.
Jene Erfahrung hat Anne Krausz nun wunderbar durchtrieben in die Winkelmannsche Schönheitskategorie einsickern lassen.
Und genau das ist das Besondere.
Besagtes Bild ist im Blog der Klassikstiftung vom 04. Mai 2017 zu betrachten.

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