Von Claus Bach, 12. April 2017, 13:40 Uhr

Bekanntermaßen sind Geschenke Ausdruck selbstlosen Handelns und zollen dem Beschenkten Respekt. Als eine besondere Form fungiert dabei das  Gastgeschenk. Je nach Kulturkreis wird es vor allem bei Besuchen, Empfängen und ähnlichen gesellschaftlichen Anlässen als freundschaftliche Geste überreicht. Oft wird damit auch die Hoffnung auf eine längere freundschaftliche oder geschäftliche Beziehung verbunden. Es wird wohl heute kaum eine Institution, Firma oder Privatperson geben, die nicht über ein anwachsendes Depot jener Geschenke verfügt.
Im Laufe der Zeit stellt sich freilich auch die Frage nach dem Verbleib dieser Gaben. Einige schätzt man, andere nicht. Man kennt das aus eigener Erfahrung. Was aufheben und was entsorgen? Letztere Entscheidung verbindet sich dann vielleicht mit einem schlechten Gewissen. Denn immerhin verschwände ein Stück Erinnerung, sei es noch so banal. Also wird alles mehr oder weniger aufgehoben.
Auch im Depot der Gedenkstätte Buchenwald haben sich seit ihrem Bestehen Präsente unterschiedlichster Couleur angesammelt. Manchmal äußerte sich das mitunter in bizarrer, pathetischer Form. Vor allem in der Zeit zwischen 1958 und 1989. Schließlich war die ehemalige „Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ das Fundament der damaligen straff parteigebundenen Ideologie der DDR. Denn neben Besuchen ehemaliger Häftlinge und ihrer Angehörigen aus aller Welt wurden viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger gesellschaftlich dazu verpflichtet. Die unvermeidliche Übergabezeremonie von Präsenten diverser sozialistischer Arbeitskollektive war wesentlicher Teil jener Ereignisse und ließ aus verordneter Anteilnahme oft Überdruss werden.
Freilich wird die Gedenkstätte auch bis heute weiter mit Geschenken bedacht. Dabei ließen sich allerdings viele Besucher deutlicher von außerordentlicher Empathie für diesen Ort und das Geschehene leiten. Das schlug sich in Präsenten nieder, die ungemein persönlicher Natur waren. Mit anderen Worten: Von Herzen kommend. So wie man seine wertvollsten Freunde beschenkt. Oftmals kleine Dinge, die im ersten Moment eher beiläufig wirkten. Über die letzten 58 Jahre ist so ein ganz eigenes Depot entstanden, das vermutlich seinesgleichen sucht. Ausgewählte markante Gastgeschenke dieses Depots wurden nun betont sachlich fotografiert. Weder in spektakulärer noch fetischisierender Darstellung. Die  entstandene Bildstrecke vermittelt, wie komplex das bisweilen verstörende Gemisch aus verdinglichtem schrillen Pathos, gewachsener Anteilnahme und Achtung geworden ist. Selbstverständlich will diese Ambivalenz weder die Besucher noch den Ort vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Im Gegenteil: Denn die so dokumentierten Präsente erzählen nicht nur etwas über die Befindlichkeit ihrer Veräußerer, sondern vielmehr auch darüber, wie dieser Ort über die Jahrzehnte bis heute von außen wahrgenommen wurde. Eine Art weltweit psychologisch-mediale Reflexion, wenn man so will. Und dabei keineswegs belehrend, sondern aufklärend. Vielleicht werden auch beim Betrachten jener Bilder neue Fragen zum zeitgenössischen Umgang mit dem Ort aufgeworfen.  Abseits medialer Risiken und Nebenwirkungen.

 

 

 

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