Von Claus Bach, 29. März 2017, 11:44 Uhr

„Stellen sie zuerst den Blickkontakt aufs linke Auge der Dame her. Im rechten Gehirnlappen liegt ihr Kreativzentrum. Das ist für Emotionen und sexuelle Erregung zuständig. Warten sie danach ab. Wenn die Dame danach Ihren Blick erwidert, signalisiert sie Bereitschaft.“

Das sollten sich die angehenden „Romeos“ der Stasi in Ihrer Ausbildung Mitte der 1970iger Jahre einprägen. Zur Anbahnung von intimen Kontakten mit weiblichen Zielpersonen zwecks Informationsabschöpfung im Westberlin jener Zeit. Das waren alleinstehende Damen, die damals im anglo-amerikanischen Spionagezentrum Namens „Teufelsberg“ arbeiteten.
Was wie der Beginn einer Erotik – Groteske klingt, hätte vielleicht sogar verheißungsvoll bizarr weitergehen können. Doch in der neuen dreiteiligen TV – Spielfilmserie „Der gleiche Himmel“ kommt es dann richtig dicke. Denn kein, aber auch kein bekanntes Klischee wird ausgelassen. Und derartig viel parallele Handlungsstränge eröffnet, dass man vergeblich auf Berührungspunkte oder erhellende Zusammenhänge wartet.
Angefangen von der Ostberliner Stasi – Familie, deren ehrgeiziger Sohn als Handlungsträger in Westberlin als ein „Romeo“ zum Einsatz kommt. Sein alleinstehender Vater ist vom Leben gebeutelt und hegt allmählich Zweifel an der Spionagemission gegen den Klassenfeind. Dessen Schwiegertochter will mit allen Mitteln die Schwimmkarriere ihrer noch jungen Tochter forcieren. Einschließlich der Tolerierung leistungsfördernder Vitamine. Mit festem Blick auf anstehende materielle Vergünstigungen. Bliebe da noch ein homosexueller Physiklehrer, der sich in einen Westberliner Zeitgenossen verliebt und nebenher in Kontakt zur Szene Ostberliner Fluchttunnelbauer gerät.
Im Westen wird die Alltagsarbeit eines getarnten Stasi-Führungsoffiziers vorgeführt. Der outet sich als wahrhaft subversives Element im alltäglichen Kapitalismus und verkörpert das abgründig Böse. Selbstverständlich vor dem Hintergrund der 1974iger Fußball – WM. Weiter geht’s: Die Ehefrau einer amerikanische Offiziersfamilie in Berlin – Zehlendorf entpuppt sich als Ex-Frau des Ostberliner Stasi-Vaters von „Romeo“.
Und jener wird nun ausgerechnet auf deren Tochter angesetzt. Welche ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitet. Getarnt als freier Fotograf gelingt ihm das. Allerdings schießt er übers Ziel hinaus und verliebt sich unwissentlich in die eigene Schwester. Alles klar?
So will der Film vermitteln, dass zu jener Zeit offensichtlich jeder jeden bespitzelte. Auf derart komplex angelegte Weise, dass am Schluss alle Handlungsstränge mutwillig offen bleiben. Der Spionagesumpf war undurchdringlich. Und lässt die Zuschauer am Ende des dritten Teils irritiert mit offenem Mund dasitzen.
Vielleicht aber war das genau die Absicht der englischen Drehbuchautorin. Leider ist dabei nicht mehr als ein dramaturgischer Rohrkrepierer herausgekommen. Daran können auch die herausragenden Leistungen der Darsteller nichts ändern.

Allerdings: Die Kontaktanbahnung sollte man vielleicht doch mal ausprobieren.

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