Von Claus Bach, 16. Dezember 2016, 10:40 Uhr

Das ist auf dem Warnschild vor einem leer stehenden Fachwerkhaus zu lesen, welches sich in einem ziemlich maroden Zustand befindet. Die Tür des großen Eingangstores steht offen. Doch das gleicht eher einer Warnung. Denn das Betreten dieses Gebäudes dürfte nicht ganz ungefährlich sein. Von den acht Fenstern der zweigeschossigen Fassade ist immerhin erst nur eines kaputt. Die Übrigen sind mit Gardinen versehen. Mit anderen Worten: Offensichtlich ist dieses Gebäude noch nicht ganz aufgegeben worden.
Es steht in der sachsen – anhaltinischen Kleinstadt Havelberg und wurde etwa 1987 in jenem Zustand fotografiert. Dabei erscheint die Aufnahme eher beiläufig. Genauso wie alle anderen Fotografien, die den Verfall vieler Innenstädte der ehemaligen DDR zeigen. Entstanden sind sie zwischen den Jahren 1984 und 1990.
Damals hatte die Fotografin Leonore Lobeck ausschließlich leer stehende Altbauten fotografiert. Einschließlich die bizarren Versuche, jene Situation durch zugemauerte Fenster und Türen aufzuhalten.
Entstanden ist eine Armada von Trümmerbildern, die eher an die deutsche Nachkriegszeit als an die späte DDR erinnern. Ohne jedes romantisierende Pathos blickt man auf den komplexen Verfall der Altstädte aus jener Zeit.
„Leerstand“ nennt sich das  kleinformatige Fotobuch. An sich betrachtet ist das freilich nichts wirklich Neues.

Publikationen dieser Art gibt es bereits eine Menge. Aber: Durch die Distanz von knapp dreißig Jahren wirken diese Fotografien nun umso mehr aus der Zeit gefallen.
Wenn nicht ab und an PKWs der Marken „Trabant“, „Wartburg“ oder „Moskwitsch“ vor den fast zusammenbrechenden Häusern stehen würden, hätte man eher den Eindruck inszenierter Kulissenbilder für einen Endzeit – Film.

Leonore Lobeck hat diesen Zustand in insgesamt 19 ostdeutschen Städten dokumentiert. Beklemmend nüchtern und ohne fotokünstlerisches Pathos, fast mutwillig amateurhaft. Und genau das ist herausragend.

156 schwarzweiß-Aufnahmen vereint das Fotobüchlein, ergänzt mit dem Text „Der Übertritt“ der ostdeutschen Autorin Juliane Adler. Erschienen ist „Leerstand“ in der „Edition Fabrik Transit“ Wien.
Fehlt eigentlich nur noch die kompatible Wanderausstellung.

 

 

 

 

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