Von Claus Bach, 2. Juni 2010, 11:26 Uhr

Es ist schwarz, etwa drei Zentimeter dick und sieht wie ein quergelegtes dunkles Fenster ohne Klinke aus…Richtig! Es ist ein Flachbildschirm, welcher in Privathaushalten am Antennenanschluss oder DVD-Player zu finden ist. Letzterer wird besonders gern zur Ausstellungspräsentation zeitgenössischer Kunst genommen. So auch vor Ort, in der Projektschau „Citymap / Weimar-Sarajevo“ in den Kellerräumen des Neuen Museums.

Zur Museumsnacht begegnete man hier allerdings einem weiteren Phänomen: Auf mindestens zwei Flatscreens blinkte einsam ein Standby-Signal. Nichts passierte. Da stand man nun ratlos vor den dunkel dahin dümpelnden Riesenbildschirmen. Eine Frechheit, dermaßen verarscht zu werden. Ordinärer Ausstellungs-Dilettantismus.

Da hatte jemand schlicht keine Ahnung oder war zu faul, die DVD für den Endlos-Modus zu schreiben und einen Testlauf zu starten. Offensichtlich fühlte sich kein Aas verantwortlich. Ist ja auch nur eine Gruppenausstellung in studentischer Eigenverwaltung.

Dabei wurde sie erst vor einigen Tagen eröffnet und von einer intelligenten Idee getragen: „…Verschiedene Kuratoren versuchen den Transfer des öffentlichen Raumes der Stadt Sarajevo in die Ausstellungsräume…“, so das Konzept. Schade drum.

Doch leider ist das kein Einzelfall. Denn die letzte Ausstellung dieser Reihe hatte genau dieselben Macken.

Die waren dann allerdings zünftig gereift und nahmen proportional zum Ende der Schau zu. So blickte man in zwei funktionsuntüchtige schwarze Flatscreens und einen dunkel rauschenden Beamer. Des weiteren waren zwei hilflos vor sich hin hackende Karussell-Diaprojektoren auszumachen. Das war ulkig und spannender als die eigentliche Präsentation. Die hatte es auch in sich: Denn von den Kellerwänden des  Neuen Museums rollten sich die schlampig aufgezogenen Fotos wie die Käsescheiben. Da verging einem freilich die Lust, sich auch nur ansatzweise mit den Inhalten der Schau zu beschäftigen. Die hieß übrigens „Import-Export / From Moldovia With Love“ und geriet eher zu einer illustren Verdinglichung der Chaostheorie.

Offensichtlich ist diese Ausstellungsreihe enorm auf die Vorstellungskraft ihrer Besucher fokussiert. Und wer da nicht mitkommt, hat eben keine. Mit anderen Worten: „Alle doof, außer uns!“ Jugend forscht – aber enthemmt, alter Finne!

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