Von Claus Bach, 25. Juli 2012, 11:26 Uhr

Bis vor über einem Jahr gab es diesen Begriff nicht. Jetzt aber ist er mehr als nur populär und bezeichnet das Fotografieren mittels Mülltonne.

Die Idee dazu entstand in Hamburg: Die städtische Müllabfuhr hatte schon immer einen Hang zu eigensinniger Reklame. Waren es bis dahin freche Sprüche, wurde nun die Fotografie -Obsession eines 61 jährigen Mitarbeiters realisiert. Er und seine Kollegen bauten eine 1100 liter Mülltonne zur Camera Obskura um.

Was nichts anderes als eine klassische Lochkamera ist: Zuerst wurde der Müllcontainer lichtdicht gemacht. Auf einer Seite bekam er ein Loch von ca 8mm, auf der gegenüberliegenden wurde schwarzweiss-Fotopapier  im Format 80 cm x 100 cm angebracht.

Und dann  gings auf die Fotopiste. Freilich nahm nun der eingeborene Hamburger Müllmann Roland Wilhelm seine städtischen Lieblingsplätze auf. Wobei ein wesentlicher Teil seiner Arbeit darin bestand, Passanten und Anlieger von der gewohnten vorgeschriebenen Benutzung der umgebauten Tonne abzuhalten. Heraus gekommen sind äußerst eigene Stadtaufnahmen der Hansestadt. Fast ein bisschen surreal.
Was freilich der Aufnahmetechnik geschuldet ist.

Die wiederum ist so alt wie die Fotografie und Bestandteil jeder klassischen Fotografenausbildung. Also überhaupt nichts neues. In vielen Fotografie -Workshops werden alle möglichen Gefäße zur Lochkamera umgebaut.

Doch wie so oft ist manchmal das Etikett entscheidend. Und das war neu, wenn man so will. Medial gesehen jedenfalls. Denn den Begriff „Tonnografie“ prägte dann eine örtliche populäre Werbeagentur. Ganz der Arbeitsweise ihres fotografierenden Mitarbeiters verpflichtet.

Und hatte damit Erflog in Cannes. Zum Werbefilm-Festival 2012 erhielt die Agentur „Scholz & Friends“ den Silbernen Löwen für diese Kampagne. Seitdem wurde sie zum klassischen Selbstläufer, der fotografierende Müllmann neuer Star der analogen Mülltonnen – Lochkamera.

Im ordinären Berufsleben ist allerdings mit den Mitarbeitern der Müllabfuhr nicht zu spaßen: Nachweisbare Verstöße gegen die örtliche Entsorgungsverordnung schlagen ungewöhnlich hoch zu Buche. Die Strafgebühren für adressiertes Schriftmaterial, welches neben überfüllten Mülltonnen entsorgt wird, liegen gleich mal locker bei anfangs 250,00 €.

Das ist dann ein ganz anderer, freilich nicht so populärer Rekord.

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