Von Claus Bach, 21. Januar 2009, 11:26 Uhr

…haben offenbar die PR-Strategen der Firmen „Tchibo“ und „Esso“. Sie nutzten den bekannten, von den Nazis im KZ Buchenwald bei Weimar missbrauchten Spruch „Jedem das Seine“ für das Plakat Ihrer neuesten gemeinsamen Kampagne für eine grosse Kaffeeauwahl in den betreffenden Tankstellen.
Da hilft auch nicht, dass der Spruch in „Jedem den Seinen“ abgewandelt wurde.

Was aber immer deutlicher wird, ist die völlig enthemmte geschichtsfreie Nutzung von Zitaten und Aussprüchen durch die Creative Direktors der Werbebranche.

Selbstverständlich geht es immer um wirkungsvollste Reklame im Rahmen des zeitgenössischen Hochleistungswettbewerbs. Und da muss jedes Mittel mehr als recht sein.
Und wenn es sich dann noch mit einem Skandal wie diesem verbindet, werden auch gleich die kritisierenden Journalisten effektiver weise Teil der Kampagne.

Bleibt offen, ob dieses unterstellende Kalkül nun wahr oder erfunden ist. Wahr ist jedenfalls, dass der ursprünglich römische Ausspruch „Jedem das Seine“ in den letzten 12 Jahren schon öfters gern genommen wurde.

Hier die Verwendungschronik:

1997 warb damit erstmals die Firma „microsoft“ für Bürosoftware.
1998 nutze der Konzern „NOKIA“ den Ausspruch.
1999 warb damit das Nahrungsmittelunternehmen „Rewe“ für Grillzubehör.
1999 wurde der Spruch Titelzeile des Faltblatts der Erfurter „Burger King“-Filiale:

2001 avancierte der Spruch zur Überschrift einer Werbeaktion der Münchner „Merkur-Bank“.
2001 ließ sich auch die deutsche Telekom nicht lumpen und titelte „Jedem das Seine“ in einer ihrer Werbebroschüren.

Befragt nach den Ursachen, winden sich die Akteure meist wie die Aale und üben sich in Unwissenheit.
Man hätte „das nicht gewusst“ oder „könne nicht verstehen, dass die Vergangenheit so hochgespielt wird“ und so weiter. Dann folgen Bereuungs-Rituale inclusive selbstverständlichem Stopps betreffender Aktion.

Doch offensichtlich wird in der Branche der kritische Verweis auf den Missbrauch diverser Nazi-Sprüche eher als eine Art lästige Zensur durch verbildete Intellektuelle und Journalisten gesehen.
Anders jedenfalls ist die immer währende Benutzung des KZ-Spruchs nicht mehr zu erklären.

Schlichte Recherche-Faulheit und Intellektuelle Einfalt wird mit Kreativität verwechselt.

Und so ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis wir „Jedem das Seine“ als Titelkampagne für eine Lebensversicherung in unserem Briefkasten finden werden.

Immer offen für neue Horizonte.

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