Wehret den Anfängen

Als US-Außen­min­is­ter Colin Pow­ell nach seiner Rede am 07.02. 2003 vor die Presse im UN -Sicher­heit­srat trat, war das im Foyer der UNO befind­liche Bild „Guer­nica“ mit dem blauen Tuch der Wel­tor­gan­i­sa­tion ver­hüllt. Pablo Picasso hatte es 1937 als Reak­tion auf die ver­heerende Bom­bardierung der nordspanis­chen Stadt Guer­nica durch die Legion Con­dor der deutschen Luft­waffe gemalt.

Bekan­ntlich wurde die UNO zur Erhal­tung des Welt­friedens gegrün­det und das Bild ist bis heute eine ständige Ermah­nung. Alle Ratsmit­glieder müssen vor jedem Betreten des berühmten Sitzungssaals an ihm vor­beige­hen.

Das hatte sich im Feb­ruar 2003 erst­mals geän­dert. Die Ver­hän­gung des Bildes geschah auf Drän­gen der dama­li­gen US -Regierung. Den ver­ant­wortlichen Diplo­maten schien es unangemessen, dass Pow­ell vor einem der­ar­ti­gen Hin­ter­grund die Weltöf­fentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Irak zu überzeu­gen ver­suchte.

Mit falschen Beweisen der Exis­tenz von Massen­venich­tungswaf­fen. Was damals schon bekannt war.

So wurde aber auch deut­lich, wie unver­wüstlich ein klas­sis­ches Kunst­werk wirken kann. Sym­bol­haft wie ein Gle­ich­nis.

Die medi­ale Empörung über den Vor­gang war über­raschend groß und sagte viel über den Zus­tand dama­liger UN -Diplo­matie aus:

Denn nie­mand traute sich, die Ver­hül­lung zu beseit­i­gen. Der offen­sichtliche Wider­spruch zwis­chen Antikriegs­bild und pos­tulierter Kriegsstrate­gie wurde durch vorau­seilende visuelle Kapit­u­la­tion gek­lit­tert.

Ver­meintliche Erk­lärungsver­suche wie die der „Ver­mei­dung zusät­zlicher irri­tieren­der Sit­u­a­tio­nen“ machten die Sache noch pein­licher.

Ein Jahr später hat besagter US -Außen­min­is­ter diese Rede dann als den „schwärzesten Punkt seiner Kar­riere“ beze­ich­net.

Was freilich nichts an der Sit­u­a­tion änderte. Die wurde zum kom­plet­ten Desaster. Bis heute befindet der Irak im Zus­tand per­ma­nen­ter Insta­bil­ität. So nen­nen es Diplo­maten. Per­ma­nen­ter Bürg­erkrieg heißt das im Klar­text.

Nach zehn Jahren erweist sich, dass alle Geg­ner des drit­ten Irak – Kriegs Recht behal­ten soll­ten.
Picas­sos Bild „Guer­nica“ ist längst wieder unver­hüllt vor Ort zu sehen.