Von Claus Bach, 20. März 2013, 13:44 Uhr

Als US-Außenminister Colin Powell nach seiner Rede am 07.02. 2003 vor die Presse im UN -Sicherheitsrat trat, war das im Foyer der UNO befindliche Bild „Guernica“ mit dem blauen Tuch der Weltorganisation verhüllt. Pablo Picasso hatte es 1937 als Reaktion auf die verheerende Bombardierung der nordspanischen Stadt Guernica durch die Legion Condor der deutschen Luftwaffe gemalt.

Bekanntlich wurde die UNO zur Erhaltung des Weltfriedens gegründet und das Bild ist bis heute eine ständige Ermahnung. Alle Ratsmitglieder müssen vor jedem Betreten des berühmten Sitzungssaals an ihm vorbeigehen.

Das hatte sich im Februar 2003 erstmals geändert. Die Verhängung des Bildes geschah auf Drängen der damaligen US -Regierung. Den verantwortlichen Diplomaten schien es unangemessen, dass Powell vor einem derartigen Hintergrund die Weltöffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Irak zu überzeugen versuchte.

Mit falschen Beweisen der Existenz von Massenvenichtungswaffen. Was damals schon bekannt war.

So wurde aber auch deutlich, wie unverwüstlich ein klassisches Kunstwerk wirken kann. Symbolhaft wie ein Gleichnis.

Die mediale Empörung über den Vorgang war überraschend groß und sagte viel über den Zustand damaliger UN -Diplomatie aus:

Denn niemand traute sich, die Verhüllung zu beseitigen. Der offensichtliche Widerspruch zwischen Antikriegsbild und postulierter Kriegsstrategie wurde durch vorauseilende visuelle Kapitulation geklittert.

Vermeintliche Erklärungsversuche wie die der „Vermeidung zusätzlicher irritierender Situationen“ machten die Sache noch peinlicher.

Ein Jahr später hat besagter US -Außenminister diese Rede dann als den „schwärzesten Punkt seiner Karriere“ bezeichnet.

Was freilich nichts an der Situation änderte. Die wurde zum kompletten Desaster. Bis heute befindet der Irak im Zustand permanenter Instabilität. So nennen es Diplomaten. Permanenter Bürgerkrieg heißt das im Klartext.

Nach zehn Jahren erweist sich, dass alle Gegner des dritten Irak – Kriegs Recht behalten sollten.
Picassos Bild „Guernica“ ist längst wieder unverhüllt vor Ort zu sehen.

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