Weit Pauer

Ein aus­gewach­sener Neon­azi sprüht mit angestrengtem Gesicht­saus­druck etwas auf eine Wand. Offen­sichtlich wird es ein Spruch. „White Power“ soll darauf ste­hen. Her­aus kommt freilich eine falsche Schreib­weise. Ein Trot­tel, der sowas nicht kann.
Das wird ihm kurz darauf auch sein Nazi – Boss verk­lick­ern.
Das und noch mehr erfährt man im weit­eren Ver­lauf der neuen deutschen Film­satire „Heil“.

Ort des Geschehens ist das fik­tive Dorf Prit­twitz am eben­falls fik­tiven Län­der­dreieck Bran­den­burg, Sach­sen und Thürin­gen. In dem spielt sich die Hand­lung haupt­säch­lich ab und will als schrille Satire die poli­tis­chen Zustände des Lan­des vor­führen.

In dem nach allen Seiten aus­geteilt wird. Nie­mand soll ungeschoren davonkom­men.

Haupt­strang: Ein afrodeutscher Inte­gra­tionss­chrift­steller kriegt vor seiner Lesung in Prit­twitz eins überge­zo­gen und kann for­tan nur noch fremde Gedanken und Texte aussprechen. Die ihm auss­chließlich vom Chef der Neon­azi – Bande in der Öffentlichkeit und den Medien per Zettel vorgegeben wer­den. Ein schwarzer Aus­län­der klopft nation­al­is­tis­che Sprüche.

Auch alle anderen Beteiligten des Films sind nicht die hell­sten:
Weder die Linksau­tonomen, die sich im Plenum neu­tral­isieren. Noch die Her­ren des Ver­fas­sungss­chutzes und eines elitären Bil­dungs­bürger – Klubs, welche keinen wirk­lichen Durch­blick haben. Ganz zu schweigen von den üblich sen­sa­tion­s­geilen Medi­en­vertretern. Ebenso der Bürg­er­meis­ter von Prit­twitz, der besagte Nazis prak­tis­cher­weise gle­ich­mal zu Ort­spolizis­ten rekru­tiert.

So nimmt die Hand­lung denn ihren Lauf und endet vorausse­hbar im alles ver­nich­t­en­den Chaos. Ein­schließlich debil gewor­dener Bösewichter.

Ein Schlag auf den Kopf erhöht das Denkver­mö­gen?
Die freilich gut gemeinte Absicht der Regis­seurs Diet­rich Brügge­mann gerät dabei zum dra­matur­gis­chen Desaster. Denn offen­sichtlich wollte er das übliche Lachen, dass im Halse stecken bleibt, herz­er­frischend zertrüm­mern.

Indem gängige satirische Belehrungs – Klis­chees durch bizarre Über­höhung im Stil der britis­chen Monty Python – Komik­ertruppe gebrochen wer­den.

Doch das will nicht wirk­lich gelin­gen, weil sich besagte Über­höhun­gen selbst im Weg ste­hen. Alle Fig­uren des Films wer­den kom­plett zu Idioten reduziert und uni­form vorge­führt. So würgt sich die anar­chis­che Geste des Films selbst ab, indem sie sämtliche bizarre Sit­u­a­tio­nen zu einem chao­tis­chen Hand­lungs­brei ver­rührt. Die Sache implodiert. Das erzeugt schlicht Langeweile und irri­tiert mehr, als dass es erhellt oder gar amüsiert.

Und genau das ist das Elend des Films. Lei­der.
Bühne frei für die näch­ste Nazi-Satire. Die wird bes­timmt kom­men.

„Heil“ läuft noch diese Woche im Weimarer Lichthaus – Kino. Immer 18.00 Uhr.