Von Claus Bach, 29. Juli 2015, 14:45 Uhr

Ein ausgewachsener Neonazi sprüht mit angestrengtem Gesichtsausdruck etwas auf eine Wand. Offensichtlich wird es ein Spruch. „White Power“ soll darauf stehen. Heraus kommt freilich eine falsche Schreibweise. Ein Trottel, der sowas nicht kann.
Das wird ihm kurz darauf auch sein Nazi – Boss verklickern.
Das und noch mehr erfährt man im weiteren Verlauf der neuen deutschen Filmsatire „Heil“.

Ort des Geschehens ist das fiktive Dorf Prittwitz am ebenfalls fiktiven Länderdreieck Brandenburg, Sachsen und Thüringen. In dem spielt sich die Handlung hauptsächlich ab und will als schrille Satire die politischen Zustände des Landes vorführen.

In dem nach allen Seiten ausgeteilt wird. Niemand soll ungeschoren davonkommen.

Hauptstrang: Ein afrodeutscher Integrationsschriftsteller kriegt vor seiner Lesung in Prittwitz eins übergezogen und kann fortan nur noch fremde Gedanken und Texte aussprechen. Die ihm ausschließlich vom Chef der Neonazi – Bande in der Öffentlichkeit und den Medien per Zettel vorgegeben werden. Ein schwarzer Ausländer klopft nationalistische Sprüche.

Auch alle anderen Beteiligten des Films sind nicht die hellsten:
Weder die Linksautonomen, die sich im Plenum neutralisieren. Noch die Herren des Verfassungsschutzes und eines elitären Bildungsbürger – Klubs, welche keinen wirklichen Durchblick haben. Ganz zu schweigen von den üblich sensationsgeilen Medienvertretern. Ebenso der Bürgermeister von Prittwitz, der besagte Nazis praktischerweise gleichmal zu Ortspolizisten rekrutiert.

So nimmt die Handlung denn ihren Lauf und endet voraussehbar im alles vernichtenden Chaos. Einschließlich debil gewordener Bösewichter.

Ein Schlag auf den Kopf erhöht das Denkvermögen?
Die freilich gut gemeinte Absicht der Regisseurs Dietrich Brüggemann gerät dabei zum dramaturgischen Desaster. Denn offensichtlich wollte er das übliche Lachen, dass im Halse stecken bleibt, herzerfrischend zertrümmern.

Indem gängige satirische Belehrungs – Klischees durch bizarre Überhöhung im Stil der britischen Monty Python – Komikertruppe gebrochen werden.

Doch das will nicht wirklich gelingen, weil sich besagte Überhöhungen selbst im Weg stehen. Alle Figuren des Films werden komplett zu Idioten reduziert und uniform vorgeführt. So würgt sich die anarchische Geste des Films selbst ab, indem sie sämtliche bizarre Situationen zu einem chaotischen Handlungsbrei verrührt. Die Sache implodiert. Das erzeugt schlicht Langeweile und irritiert mehr, als dass es erhellt oder gar amüsiert.

Und genau das ist das Elend des Films. Leider.
Bühne frei für die nächste Nazi-Satire. Die wird bestimmt kommen.

„Heil“ läuft noch diese Woche im Weimarer Lichthaus – Kino. Immer 18.00 Uhr.

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