Von Claus Bach, 14. Juni 2006, 11:26 Uhr

…müsste sich eigentlich jeder Passant in Fussball-Deutschlands Städten fragen. Denn selbst der ordinäre Alltagseinkauf im Supermarkt gerät jetzt zum nationalfarbenen Merchandising-Parcours. Und wahrlich enthemmt verwandelt sich nicht nur das übliche Material wie ordinäre Fahnen, Kugelschreiber und ähnliches in des Banners Nationalfarben. Nein, auch Einrichtungsgegenstände wie Tische, Sitzkissen und dergleichen durchleben Ihre äußere schwarzrotgoldne Metamorphose. Es wird immer schriller und war bis dato eher bekannten anglo-amerikanischen und britischen skurrilen Erscheinungsformen vorbehalten: Mittels ein paar Einkäufen kann man binnen einmalig kurzer Zeit sein gesamtes Heim hochrüsten und nationalfarben verdeutschlanden: Angefangen von der Unterwäsche bis hin zur Komplett-Innensanierung ist dann mit des Vermieters Einverständnis auch der restliche äußere Hausschmuck inclusive Beflaggung nur noch ein Klacks. Und zumindest das ist schon ein historischer Rekord: Begann die Angelegenheit spontan und fuhren nach dem ersten gewonnenem Vorrundenspiel der Deutschen Nationalelf vereinzelt die üblich beflaggten PKWs im Hupkonzert penetrant wie die Pfingstochsen durch die Straßen, gerät die Sache diesmal zum Selbstläufer, ohne Pathos und mit bis dahin eher unbekannter Selbstironie. So entstand denn ein schräges visuelles Nationalgefühl, fernab jedes demagogischen Gelabers von intoleranter Fremdenfeindlichkeit und ähnlichem. Ein medialhistorisch einmaliger Zustand. Genießen wir ihn und schauen, wie lange er anhält. Denn wie Wie heißt es doch nun so schön im Land der Fussball-WM 2006?

„Schieß Dir selber Einen!“

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