Wer hat Angst vor Schwarzrotgold?

…müsste sich eigentlich jeder Pas­sant in Fuss­ball-Deutsch­lands Städten fra­gen. Denn selbst der ordinäre All­t­ag­seinkauf im Super­markt gerät jetzt zum nation­al­far­be­nen Mer­chan­dis­ing-Par­cours. Und wahrlich enthemmt ver­wan­delt sich nicht nur das übliche Mate­r­ial wie ordinäre Fah­nen, Kugelschreiber und ähn­liches in des Ban­ners Nation­al­far­ben. Nein, auch Ein­rich­tungs­ge­gen­stände wie Tis­che, Sitzkissen und der­gle­ichen durch­leben Ihre äußere schwarzrot­goldne Meta­mor­phose. Es wird immer schriller und war bis dato eher bekan­nten anglo-amerikanis­chen und britis­chen skur­rilen Erschei­n­ungs­for­men vor­be­hal­ten: Mit­tels ein paar Einkäufen kann man bin­nen ein­ma­lig kurzer Zeit sein gesamtes Heim hochrüsten und nation­al­far­ben verdeutsch­landen: Ange­fan­gen von der Unter­wäsche bis hin zur Kom­plett-Innen­sanierung ist dann mit des Ver­mi­eters Ein­ver­ständ­nis auch der restliche äußere Hauss­chmuck inclu­sive Beflag­gung nur noch ein Klacks. Und zumin­d­est das ist schon ein his­torischer Rekord: Begann die Angele­gen­heit spon­tan und fuhren nach dem ersten gewonnenem Vor­run­den­spiel der Deutschen Nationalelf vere­inzelt die üblich beflag­gten PKWs im Hup­konz­ert pen­e­trant wie die Pfin­gstochsen durch die Straßen, gerät die Sache dies­mal zum Selb­stläufer, ohne Pathos und mit bis dahin eher unbekan­nter Selb­stironie. So ent­stand denn ein schräges visuelles Nation­al­ge­fühl, fernab jedes dem­a­gogis­chen Gelabers von intol­er­an­ter Frem­den­feindlichkeit und ähn­lichem. Ein medi­al­his­torisch ein­ma­liger Zus­tand. Genießen wir ihn und schauen, wie lange er anhält. Denn wie Wie heißt es doch nun so schön im Land der Fuss­ball-WM 2006?

„Schieß Dir sel­ber Einen!«