Von Claus Bach, 21. März 2012, 15:01 Uhr

…wird gewählt! Das wünschten sich wahrscheinlich die Drahtzieher und Produzenten der aktuellen Kampagne zur Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Weimar. Und tackerten das komplette Stadtgebiet mit dem Konterfei Ihres Kandidaten Martin Kranz flächendeckend zu.

Als aller-aller-erste. Da sind den Profis diesmal ordentlich die Pferde duchgegangen. Fast kein Straßenbeleuchtungsmast, an dem kein Plakat des OB-Kandidaten hängt.

Dabei mutet die Kampagne wie ein visuelles Dejá Vu an: Als ob eben mal kurz die Köpfe ausgetauscht wurden.

Vor sechs Jahren prangte das Bild des damaligen Ob-Wahlkandidaten Wolfgang Hölzer an dieser Stelle. Sein lustiges Porträt vor weißem Hintergrund, links oben das Sternchen mit dem Wahldatum und links unten das orangefrabene Signet der Weimarwerker. „Ein Weimarer für Weimar“ eben.

Exakt wie heute. Nicht gerade kreativ, die Sache.

Als ob alles beim Alten bleibt und bleiben soll. Aber selbstverständlich ist auch das Absicht: Na klar, die Signalwirkung, das Wiederkennungs-Merkmal und so weiter. Eingefrorene Routine.

Der Klassiker der visuellen Kommunikation: Das Gesetz der Serie. Da haben wirs!

Doch sowas kann auch ins buchstäbliche Auge gehen. Und in schlichter Penetranz und Langeweile ausarten.
Wenn die Konstanten überbetont und die Variablen vernachlässigt werden. Theoretisch gesprochen.

Denn wie sagte schon mal jemand: Gesetze sind da, um gebrochen zu werden. Erst dann wird’s richtig spannend.
Und es ist machmal gar nicht so falsch, die aufgebauten Bilder zu zerstören. Das schafft Freiraum für Neues. Freilich rein symbolisch. Aber das ist offensichtlich nicht Sinn der Sache. Und passt vielleicht auch nicht wirklich zum Ort. Oder?

Fazit: Die ehrgeizige Kampagne der Weimarwerker ist professionell und solide wie eh und je. Und genau das ist ihr Dilemma: Durch ihre stringente sechsjährige Wiederholung wirkt sie wie eine allzubrave Diplomarbeit von Studenten der visuellen Kommunikation.
Alles richtig, aber flau. Kranz-wertig eben.