Wer zuerst hängt,

…wird gewählt! Das wün­schten sich wahrschein­lich die Drahtzieher und Pro­duzen­ten der aktuellen Kam­pagne zur Wahl des Ober­bürg­er­meis­ters der Stadt Weimar. Und tack­erten das kom­plette Stadt­ge­biet mit dem Kon­ter­fei Ihres Kan­di­daten Mar­tin Kranz flächen­deck­end zu.

Als aller-aller-erste. Da sind den Profis dies­mal ordentlich die Pferde duchge­gan­gen. Fast kein Straßen­beleuch­tungs­mast, an dem kein Plakat des OB-Kan­di­daten hängt.

Dabei mutet die Kam­pagne wie ein visuelles Dejá Vu an: Als ob eben mal kurz die Köpfe aus­ge­tauscht wur­den.

Vor sechs Jahren prangte das Bild des dama­li­gen Ob-Wahlka­n­di­daten Wolf­gang Hölzer an dieser Stelle. Sein lustiges Porträt vor weißem Hin­ter­grund, links oben das Sternchen mit dem Wahlda­tum und links unten das orange­frabene Signet der Weimar­w­erker. „Ein Weimarer für Weimar“ eben.

Exakt wie heute. Nicht ger­ade kreativ, die Sache.

Als ob alles beim Alten bleibt und bleiben soll. Aber selb­stver­ständlich ist auch das Absicht: Na klar, die Sig­nal­wirkung, das Wiederken­nungs-Merk­mal und so weiter. Einge­frorene Rou­tine.

Der Klas­siker der visuellen Kom­mu­nika­tion: Das Gesetz der Serie. Da haben wirs!

Doch sowas kann auch ins buch­stäbliche Auge gehen. Und in schlichter Pen­e­tranz und Langeweile ausarten.
Wenn die Kon­stan­ten über­be­tont und die Vari­ablen ver­nach­läs­sigt wer­den. The­o­retisch gesprochen.

Denn wie sagte schon mal jemand: Gesetze sind da, um gebrochen zu wer­den. Erst dann wird’s richtig span­nend.
Und es ist mach­mal gar nicht so falsch, die aufge­bauten Bilder zu zer­stören. Das schafft Freiraum für Neues. Freilich rein sym­bol­isch. Aber das ist offen­sichtlich nicht Sinn der Sache. Und passt vielle­icht auch nicht wirk­lich zum Ort. Oder?

Fazit: Die ehrgeizige Kam­pagne der Weimar­w­erker ist pro­fes­sionell und solide wie eh und je. Und genau das ist ihr Dilemma: Durch ihre strin­gente sech­sjährige Wieder­hol­ung wirkt sie wie eine allzubrave Diplo­mar­beit von Stu­den­ten der visuellen Kom­mu­nika­tion.
Alles richtig, aber flau. Kranz-wer­tig eben.