Wildes Weimar

Vor eini­gen Wochen war eine Foto­strecke der ganz eige­nen Art in der „Süd­deutschen Zeitung“ über die Klas­sik­er­stadt zu sehen. In der Rubrik „Reisen“ wurde die Kle­in­stadt von einer anderen Seite dargestellt.
„Wo Weimar ein biss­chen wild ist“ lautete ver­we­gen der Titel. So kon­nte man sich auf der Web­seite der Zeitung durch 14 Bilder klicken. Zwei Redak­teurin­nen der SZ hat­ten den Fotopar­cours ent­lang der stu­den­tis­chen Szene Weimars kreiert. Mutwillig in far­bigen Schnapp­schuss – arti­gen Bildern. In diesigem Novem­ber­licht, ohne Son­nen­schein – Roman­tik, blauem Him­mel und der­gle­ichen.
Was schon mal auffiel.
Das beginnt auch gle­ich mit dem ersten Bild, obwohl es ganz klas­sisch den The­ater­platz im All­t­agsmodus zeigt. Im Vor­beige­hen sind Skate­bor­der nebst Besuch­ern auszu­machen.
Die drei fol­gen­den Bilder sind expliziter Szene­natur. Der Stu­den­tenkiez in der Tri­erer Straße zeigt sich in seiner ganzen Bre­ite. Vom bespiel­ten Schaufen­ster eines leer­ste­hen­den Geschäfts bis hin zur Musikkneipe „Zum Falken“. Und dem Schild „Baum soll bleiben“ an einem solchen an besagter Straße.
Als näch­stes wird der Blick von der Schützen­gasse in Rich­tung ver­fal­l­ende Rück­seite einer stadt­bekan­nten Speku­la­tions – Immo­bilie gelenkt.
Des Weit­eren führen die Fotos von SZ – Bil­dredak­teurin Jessy Asmus zur fen­ster­losen Straßen­bahn des E-Werks und dem Wieland­platz als som­mer­lichen Feier – und Ver­weilort.
Auch das alter­na­tive Haus­pro­jekt „Hababusch“ mit rotem Laubbe­wuchs darf nicht fehlen. Selb­stver­ständlich gefolgt von einer Auf­nahme der beset­zten Häuser ent­lang der Ger­ber­straße.
Anschließend weichen die Autorin­nen allerd­ings etwas von ihrer alter­na­tiven Route ab. Die Bastille des Stadtschlosses, Tem­pel­her­ren­haus und das Haupt­ge­bäude der UNI streifen das klas­sis­che Erschei­n­ungs­bild des Ortes.
Vom Tem­pel­her­ren­haus war US – Musiker Moby vor eini­gen Jahren der­art ange­tan, dass er ein Foto davon zum Cover seiner Sin­gle machte.
Die let­zten zwei Bilder beg­nü­gen sich mit dem Abbild des Herder­platzes als Pausen­tr­e­ff­punkt und Stan­dort von bekan­nter Sup­pen­bar nebst Bio­laden. Und, freilich unver­mei­dlich: Eine Auf­nahme Thüringer Knack­würste am Band in Ihrer ganzen Pracht im Fachgeschäft. Gemäß der Bil­dun­ter­schrift von SZ – Reis­eredak­teurin Katja Schnit­zler.
So völ­lig kamen die bei­den Autorin­nen dann let­ztens doch nicht am touris­tis­chen Antlitz der Kle­in­stadt vor­bei. Was unter Umstän­den an einer etwas arg spar­tanis­chen Recherche gele­gen haben kön­nte.
Denn kom­pat­i­ble Örtlichkeiten wie „Brotk­lappe“, „Hin­terz­im­mer“ und „Plan­bar“ fehlen.
Das ist schade. Aber:
Die gesamte Bild­strecke hat einen durch­weg vitalen Charak­ter und macht neugierig. Zumal sie das medial kol­portierte muse­ale Erschei­n­ungs­bild der Stadt erfrischend auf­bricht.
Genau das ist das Her­aus­ra­gende und schreit nach einer zün­fti­gen Fort­set­zung.