Von Claus Bach, 7. Dezember 2016, 14:40 Uhr

Vor einigen Wochen war eine Fotostrecke der ganz eigenen Art in der „Süddeutschen Zeitung“ über die Klassikerstadt zu sehen. In der Rubrik „Reisen“ wurde die Kleinstadt von einer anderen Seite dargestellt.
„Wo Weimar ein bisschen wild ist“ lautete verwegen der Titel. So konnte man sich auf der Webseite der Zeitung durch 14 Bilder klicken. Zwei Redakteurinnen der SZ hatten den Fotoparcours entlang der studentischen Szene Weimars kreiert. Mutwillig in farbigen Schnappschuss – artigen Bildern. In diesigem Novemberlicht, ohne Sonnenschein – Romantik, blauem Himmel und dergleichen.
Was schon mal auffiel.
Das beginnt auch gleich mit dem ersten Bild, obwohl es ganz klassisch den Theaterplatz im Alltagsmodus zeigt. Im Vorbeigehen sind Skateborder nebst Besuchern auszumachen.
Die drei folgenden Bilder sind expliziter Szenenatur. Der Studentenkiez in der Trierer Straße zeigt sich in seiner ganzen Breite. Vom bespielten Schaufenster eines leerstehenden Geschäfts bis hin zur Musikkneipe „Zum Falken“. Und dem Schild „Baum soll bleiben“ an einem solchen an besagter Straße.
Als nächstes wird der Blick von der Schützengasse in Richtung verfallende Rückseite einer stadtbekannten Spekulations – Immobilie gelenkt.
Des Weiteren führen die Fotos von SZ – Bildredakteurin Jessy Asmus zur fensterlosen Straßenbahn des E-Werks und dem Wielandplatz als sommerlichen Feier – und Verweilort.
Auch das alternative Hausprojekt „Hababusch“ mit rotem Laubbewuchs darf nicht fehlen. Selbstverständlich gefolgt von einer Aufnahme der besetzten Häuser entlang der Gerberstraße.
Anschließend weichen die Autorinnen allerdings etwas von ihrer alternativen Route ab. Die Bastille des Stadtschlosses, Tempelherrenhaus und das Hauptgebäude der UNI streifen das klassische Erscheinungsbild des Ortes.
Vom Tempelherrenhaus war US – Musiker Moby vor einigen Jahren derart angetan, dass er ein Foto davon zum Cover seiner Single machte.
Die letzten zwei Bilder begnügen sich mit dem Abbild des Herderplatzes als Pausentreffpunkt und Standort von bekannter Suppenbar nebst Bioladen. Und, freilich unvermeidlich: Eine Aufnahme Thüringer Knackwürste am Band in Ihrer ganzen Pracht im Fachgeschäft. Gemäß der Bildunterschrift von SZ – Reiseredakteurin Katja Schnitzler.
So völlig kamen die beiden Autorinnen dann letztens doch nicht am touristischen Antlitz der Kleinstadt vorbei. Was unter Umständen an einer etwas arg spartanischen Recherche gelegen haben könnte.
Denn kompatible Örtlichkeiten wie „Brotklappe“, „Hinterzimmer“ und „Planbar“ fehlen.
Das ist schade. Aber:
Die gesamte Bildstrecke hat einen durchweg vitalen Charakter und macht neugierig. Zumal sie das medial kolportierte museale Erscheinungsbild der Stadt erfrischend aufbricht.
Genau das ist das Herausragende und schreit nach einer zünftigen Fortsetzung.

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