Von Claus Bach, 2. März 2011, 11:26 Uhr

Als letzten Samstag mehrere hundert Menschen in Berlin gegen die Bagatellisierung der Plagiatsaffäre Karl Theodor zu Guttenbergs demonstrierten und dessen Rücktritt forderten, war das ein doppeltes Novum:

Denn neben der wörtlich genommenen Fußnote wurde zum ersten mal eine orientalische Tradition in die deutsche Protestkultur übernommen: Das Hochhalten eines alten Schuhs als Zeichen der Verachtung.

Fast wie selbstverständlich sah das aus, freilich auch ein wenig karnevalistisch. Andere Teilnehmer hatten sich mit den bekannten langen Lügennasen aus Pappe und Gips ausgestattet. Vom Postdamer Platz bewegte sich der Tross in Richtung Bendlerblock.

„Hopp, hopp, Doktorspiele stopp!“ skandierte die Menge. Und mitgeführte Plakate ergänzten die Sache sinnig: „Berlus-Gutti“ stand auf einem. Oder eins, welches ein rot gemaltes Herz mit mehreren Kuss-Mündern zeigte. „Gutt-Bye“ war darunter zu lesen. Selbstverständlich bekam auch Deutschlands mächtigstes Presseorgan sein Fett weg. „Italienische Verhältnisse: Ab sofort stellt BILD den neuen Bundeskanzler.“

Vor dem Zaun des Verteidigungsministeriums fand die Demo ihr Ende. Der wurde abschließend mit den alten Schuhen bestückt. Fast wie ein Mahnmal sah das aus. Freilich auch ein bißchen skurril. Und rückwirkend betrachtet könnte das sogar den Rücktritt Guttenbergs befördert haben.

Die Idee zur  Demonstration entstand wie so oft eher beiläufig: Am Frühstücktisch. Der Berliner Hans Hübner hatte sie angemeldet. Sein wichtigstes Motiv war die Wut über den Opportunismus der Bundeskanzlerin.

Bekanntermaßen hatte sie die fremdkopierte Doktorarbeit des Verteidigungsministers als Kavaliersdelikt durchgewunken. Und offensichtlich ist ihr auch klar, welchen Schaden sie damit anrichtet. Allen Stammtischparolen hat sie seit dem 21. Februar 2011 Recht gegeben. Alles erstunken und erlogen oder was? Doch das muss augenblicklich Schnuppe sein. Wahltaktisch gesehen.

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