Von Claus Bach, 15. Oktober 2014, 11:04 Uhr

Einer gewissen Tradition folgend, sind immer erst nachts die sogenannten heiklen Sendungen mit geringer Einschaltquote im TV zu sehen.
So auch am vergangenen Montag. Punkt halb zwölf übertrug das erste Deutsche Fernsehen die Dokumentation „Die Akte D“.

Eine Sternstunde, die anfänglich lapidar daherkam.

Wieder einmal wurde das Versagen der deutschen Nachkriegsjustiz beleuchtet. Eigentlich ein längst abgehaktes Kapitel. Alles bekannt.

Doch mitnichten. Denn außerordentlich minutiös wurde vorgeführt, wie ehemalige Nazis verschiedenster Couleur in den neuen Staatsdienst der jungen Bundesrepublik assimilierten und dort Karriere machten.
Unter Verwendung neuer Quellen.

Und es kam noch dicker. Selbst Gesetze zur Aufarbeitung der NS – Geschichte wurden von Altnazis installiert. Der Bock zum Gärtner gemacht. So konnten nachweisbare Kriegsverbrechen locker wegverhandelt und die Täter freigesprochen werden.

Öffentlich belegte seriöse Gegendarstellungen wurden damals schlicht als „Kommunistenpropaganda“ abgetan.

Doch auch der östliche Teil Deutschlands wurde bei der Recherche nicht vernachlässigt. Im Gegensatz zum Westen ging die Justiz der jungen DDR bekanntlich in den ersten zehn Jahren wesentlich rigoroser gegen ehemalige Mitglieder der NSDAP vor.
Danach allerdings verfiel auch der deutsche Osten in den alten Trott und tolerierte ebenfalls Altnazis in seinem Politik – und Verwaltungsapparat. Entnazifizierung abgeschlossen hieß das dann. Beschämend.

Das Besondere an besagter Dokumentation aber ist folgendes:
Für einige Momente blitzt die Grundstimmung der westdeutschen Nachkriegszeit lebendig auf. Am besten wird das mit einem Ausspruch des damaligen ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer auf den Punkt gebracht. Aus ordinären wahltaktischen Gründen verkündete er bereits 1949, man solle doch „…endlich Schluss machen mit der Unterscheidung von politisch einwandfreien und nicht einwandfreien Personen“. Aus heutiger Sicht eine Unverschämtheit.

Kam das doch einem Jagdschein für alle ehemaligen Nazis gleich und verhöhnte die Opfer der NS – Diktatur. 

Die „Akte D“ ist die erste der dreiteiligen Dokumentation über die komplexen Verstrickungen von Altnazis in der Bundesrepublik. Teile zwei und drei behandeln Deutsche Bahn und Stromkonzerne. Immer montags 23.30 Uhr.

Das wird auch noch spannend. Mit etwas mehr Mut sollten die Kollegen zukünftig nur noch an vorgezogenen Sendeterminen arbeiten.

 

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