Von Claus Bach, 29. Mai 1999, 20:00 Uhr

Paparazzi: Italienisch für „Schmeissfliegen“. Bezeichnung für Skandalreporter, die seit dem Aufkommen einschlägiger Zeitschriften im Italien der fünfziger Jahre vom Fotografieren des Privatlebens bekannter Persönlichkeiten leben.
Aus einem Stimmengewirr heraus hören wir im Video fast unglaubliche Meldungen, die zwischen skurrilem Witz und Schrecken ob der Gewalt im Alltag pendeln: Ein Jahresrückblick mit wahren Geschichten über (noch) unbekannte Personen, gesprochen von einer typischen weiblichen Nachrichtenstimme, die sich bisweilen hastig überschlägt. Den sondierten authentischen Pressetexten sind Schnappschuss hafte eigene Fotos zugeordnet, welche die Geschichten entweder konterkarieren oder einfach  weiter erzählen.. Ein suggestives Gebräu, das Sprachlosigkeit hinterlässt. Was stimmt, was nicht? Und wen interessiert das noch. Die hier wörtlich genommene Stille-Post-Beliebigkeit des Paparazzi-Journalismus will allerdings weniger auf dessen bekannte realsatirische Eigenschaften verweisen. Vielmehr stehen seine Auswirkungen und das eigene Verhältnis zu ihm im Mittelpunkt. Wahrnehmung wird zum Weichbild. Als fester Bestandteil des Alltags erhöhen Neugier und Ekel fast täglich schleichend unsere Reizschwelle und lassen ihn erst dadurch in solch extrem hoher ökonomischer Dimension möglich werden.

Ein Jahr Paparazzo, Videostills, 1999

Ein Jahr Paparazzo, Videostills, 1999

 

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