Stadtwanderung

Dass Weimar eine mehr als über­schaubare Kle­in­stadt ist, muss nicht immer wieder neu fest­gestellt wer­den. In kurzer Zeit sind die markan­ten zen­tralen Plätze und Gebäude der Stadt erkun­det. So meinen denn auch viele Bewohner, jeden Winkel ihres Nests an der Ilm zu ken­nen.
Dass dem mit­nichten so ist, will uns die Kün­st­lerin Anke Heele­mann vor Augen führen. Bekan­ntlich befand sich Ihr „Fachgeschäft für vergessene Pri­vat­fot­grafien“ im Haus der Karl- Liebknecht- Straße Nr. 10. Und genau jene Straße wird nun zum Aktion­sort. Aus­ge­hend vom Goethe­p­latz bis zum Stan­dort des Neuen Bauhaus- Muse­ums lädt Anke Heele­mann zu einer Stadt­führung der beson­deren Art ein. Dabei wer­den aber weder zeit­genös­sis­che noch his­torische Promis oder Gebäude eine Rolle spie­len. Son­dern vielmehr kleine Geschichten über Häuser und ihre Bewohner.
Anhand ihres Fotothek – Archivs soll das Unschein­bare und Ver­bor­gene jener Straße zutage gefördert wer­den.
500 Meter Weimar nennt die Kün­st­lerin ihr Pro­jekt.
Das wird Bestandteil des diesjähri­gen Kun­st­fests sein. Wie das nun genau abläuft, ist im Pro­grammheft nachzule­sen: „Aus­ges­tat­tet mit aller­lei analo­gem Werkzeug – Dia­be­tra­chtern, Bild – und Karten­ma­te­r­ial, Kreide und Schallplat­ten­spieler – und angeleitet von dem Schaus­pieler Markus Fen­nert begeben sich die Teilnehmer/innen auf die Spuren his­torischer Begeben­heiten, stadt­poli­tis­cher Visio­nen und per­sön­licher Geschichten. Ver­schiedene Per­spek­tiven öff­nen dabei Raum für Assozi­a­tio­nen und ver­wan­deln 500 Meter Innen­stadt in eine Zeitreise zwis­chen erlebten und imag­inären Momenten.“
Mit anderen Worten: Ein pri­vater Blick in men­schliche His­to­rie, der für zwei Stun­den neugierig machen soll.
Und vielle­icht die eine oder andere Fam­i­lien – und Stadt­bild­his­to­rie erzählt.
Dazu sollte man noch wis­sen, dass besagte Straße eine der belebtesten der Kle­in­stadt ist. Aus­ges­tat­tet mit der größten Dichte an kleinen Läden und Geschäften.
Das liest sich ja schon­mal ganz span­nend. Und wer Anke Heele­manns ganz eigene Bilder- Per­for­mance mag, wird auf seine Kosten kom­men.
Denn ihr iro­nis­ches Gesamtkunst­werk der beschreiben­den anony­men Pri­vat­fo­tografien wird niemals lang­weilig.
Für spon­tane Sit­u­a­tion­skomik sor­gen die jew­eils ein­ge­lade­nen Akteure. Und freilich auch die Teil­nehmer.
Voila, das Pub­likum.
Im besten Fall wird es Bestandteil des Ganzen.
Ohne dabei vorge­führt zu wer­den. Und genau das ist das Beson­dere.

Ter­mine während des Kun­st­fests:
Fre­itag, Sam­stag und Son­ntag jew­eils 15.00 Uhr.
Tre­ff­punkt: Fes­ti­valzen­trum auf dem The­ater­platz.