Von Claus Bach, 30. August 2017, 11:51 Uhr

1984, der Elferrat der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1985, die Band O.T.Z.E. während des Mensafaschings

 

 

 

 

 

 

 

 

Weimar, im Januar 1984. Elf Mitarbeiter/innen und Studentenvertreter der „Hochschule für Architektur und Bauwesen“ versammeln sich im Foyer der „Mensa am Park“ zum Gruppenfoto.
Sie bilden das sogenannte „Faschingskomitee“ der Hochschule. Jenes organisiert alljährlich den „Mensafasching“. Heute besser als „Elferrat“ bekannt. Passend dazu lassen sich alle mit weißen Gesichtsmasken fotografieren.
Ein paar Tage später druckte die Hochschulzeitung „Konstruktiv“ das Bild ab. Untertitel: „Der kommende Fasching wirft seine Masken voraus, wie uns das Faschingskomitee beim Maskentraining beweist.“

Freilich gehörte zu jenen Aktivitäten die Einladung von Bands zur musikalischen Bespaßung. Und selbstverständlich durften nur jene mit Spielerlaubnis verpflichtet werden. Das allerdings nahm besagter Rat nicht ganz so genau und den Fasching auch in organisatorischer Hinsicht wörtlich.

So wurden zwei Weimarer Punkbands zur Party eingeladen. Die eine trug den vielsagenden Namenskürzel “O.T.Z.E.“ und war sogar im Besitz erwähnter Spielerlaubnis. „O.T.Z.E.“ bedeutete nichts anderes als „ordentlich, treu, zuverlässig, ehrlich.“. Ironie in reinster Form. Dazu sollte sich noch sich die befreundete Band „Der Rest“ gesellen.

Im Februar 1985 war es dann soweit. Im Foyer der Mensa tummelten sich kostümierte Studenten und örtliche Faschingsjecken. Allerdings muss wohl einigen das Tanzbein bisweilen etwas erstarrt sein.
Denn im Publikum befanden sich offensichtlich mehr unmaskierte Fans besagter Bands denn Karnevalsjecken.
Das fiel zwar erst im zweiten Moment auf. Die Musik allerdings nicht.

Denn der Sänger der Band „O.T.Z.E.“ buchstabierte in brüllender Punk – Manier das „ABC“ in Endlosschleife durch.
Danach wurden sämtliche Bushaltestellen der örtlichen „Linie Eins“ auf monotonem Klangteppich pathetisch durchgesungen. Anschließend gab „Der Rest“ den studentischen Faschingsjecken buchstäblich den schwermütigen punkmusikalischen Rest. Das hatte gesessen.
Zwar tat das der Stimmung keinen Abbruch.

Aber das böse Erwachen kam freilich nach den närrischen Tagen.
Denn mit sofortiger Wirkung wurde der Elferrat von der Hochschulleitung aufgelöst. Und musste Kritik und Selbstkritik üben. Der Grund: Er hatte Musiker mit Ausreiseantrag in die BRD zu einer sozialistischen Veranstaltung engagiert.

So hatte die Subkultur des kleinen Nests an der Ilm den Studentenfasching 1985 aufgemischt.
Jener Abend ist längst in die jüngere Stadtgeschichte Weimars eingegangen.

Und die wird nun Dank des Kunsfests wieder lebendig.

Denn „Weimars andere Bands“ jener Zeit spielen erneut zum Konzert auf. Auch „O.T.Z.E.“ – zum ersten Mal nach 32 Jahren. Des weiteren: „Die Galgenvögel“, „Madmans“, „Die Küchenspione“, „Timur und sein Trupp“, „Partisan“
und die „Roten Nelken“.
Titel der Veranstaltung: „Wir sind der entfesselte Durchschnitt“. Man darf gespannt sein.
Termin: Donnerstag, 31. August, 20.00 Uhr, altes Schlachthof – Gebäude.

 

 

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